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Rede des Premierministers an die Nation zur Coronavirus-Pandemie: 23. März 2020

Ansprache von Premierminister Boris Johnson zur Coronavirus-Pandemie

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Guten Abend,

das Coronavirus ist die größte Bedrohung für unser Land seit Jahrzehnten – und dies gilt nicht nur für unser Land.

Überall auf der Welt sehen wir die verheerenden Auswirkungen dieses unsichtbaren Killers.

Deshalb möchte ich Sie heute Abend über die neuesten Schritte informieren, die wir zur Bekämpfung der Krankheit unternehmen, und darüber, wie Sie helfen können.

Ich möchte zunächst erklären, warum das Vereinigte Königreich den eingeschlagenen Kurs gewählt hat.

Ohne gewaltige landesweite Anstrengungen, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen, wird der Zeitpunkt kommen, zu dem kein Gesundheitsdienst der Welt das Problem bewältigen könnte; denn es wird nicht genügend Beatmungsgeräte, genügend Intensivbetten, genügend Ärzte und Pflegepersonal geben.

Und wie wir anderswo gesehen haben, in anderen Ländern, die ebenfalls fantastische Gesundheitssysteme haben, ist das der Zeitpunkt, zu dem die Gefahr groß wird.

Einfach ausgedrückt: Wenn zu viele Menschen gleichzeitig ernsthaft krank werden, wird der Staatliche Gesundheitsdienst NHS dies nicht mehr bewältigen können. Das bedeutet, dass wahrscheinlich noch viel mehr Menschen sterben werden, nicht nur am Coronavirus, sondern auch an anderen Krankheiten.

Deshalb ist es wichtig, dass wir die Ausbreitung der Krankheit verlangsamen.

Denn so können wir die Zahl der Menschen, die gleichzeitig eine stationäre Behandlung benötigen, verringern, damit wir die Leistungsfähigkeit des NHS im Umgang mit der Krankheit erhalten und mehr Menschenleben retten können.

Und deshalb haben wir die Menschen aufgerufen, während der Pandemie zuhause zu bleiben.

Obwohl sehr viele Menschen sich daran halten – und ich danke Ihnen allen – ist es jetzt an der Zeit, dass wir alle noch einen Schritt weiter gehen.

Heute Abend muss ich der britischen Bevölkerung eine simple Anweisung geben: Sie müssen zuhause bleiben.

Denn das Entscheidende ist zu verhindern, dass sich die Krankheit von Haushalt zu Haushalt verbreitet.

Deshalb dürfen alle ihr Haus nur für die folgenden sehr begrenzten Zwecke verlassen:

  • Dinge des Grundbedarfs einkaufen, so selten wie möglich
  • eine Form von Bewegung pro Tag – zum Beispiel Laufen, Gehen oder Radfahren – allein oder mit Angehörigen des eigenen Haushalts
  • alles medizinisch Notwendige, Pflege oder Hilfe für bedürftige Personen
  • Weg zur Arbeit und zurück, aber nur, wo dies absolut notwendig und nicht von zuhause aus möglich ist.

Das ist alles. Das sind die einzigen Gründe, warum Sie Ihr Haus verlassen sollten.

Sie sollten keine Freunde treffen. Wenn Ihre Freunde sich mit Ihnen treffen möchten, sollten Sie Nein sagen.

Sie sollten sich nicht mit Familienangehörigen treffen, die nicht in Ihrem Haushalt leben.

Sie sollten nicht einkaufen gehen, außer lebenswichtige Dinge wie Nahrungsmittel und Medikamente – und Sie sollten dies so wenig wie möglich tun. Und nutzen Sie Lebensmittelzustelldienste, wo immer Sie können.

Wenn Sie sich nicht an die Regeln halten, ist die Polizei befugt, diese Regeln durchzusetzen, auch durch Bußgelder und die Auflösung von Versammlungen.

Damit die Anweisung der Regierung, zuhause zu bleiben, eingehalten wird, ergreifen wir sofort folgende Maßnahmen:

  • Wir schließen alle Geschäfte, die nicht lebensnotwendige Waren verkaufen, darunter Bekleidungs- und Elektronikgeschäfte, und andere Einrichtungen wie Bibliotheken, Spielplätze und Sportanlagen sowie Gotteshäuser.
  • Wir werden alle öffentlichen Zusammenkünfte von mehr als zwei Personen auflösen – außer, wenn sie zusammenleben.
  • Und wir unterbinden alle gesellschaftlichen Veranstaltungen wie Hochzeiten, Taufen und andere Feiern, mit Ausnahme von Beerdigungen.

Parks bleiben weiterhin für sportliche Aktivitäten geöffnet, aber Menschenansammlungen werden aufgelöst.

Kein Premierminister trifft solche Anordnungen gern.

Ich weiß, welchen Schaden diese Einschränkungen dem Leben der Menschen, ihren geschäftlichen Aktivitäten und Arbeitsplätzen zufügen werden.

Deshalb haben wir ein großes, beispielloses Programm zur Unterstützung der Arbeitnehmer und der Unternehmen aufgelegt.

Und ich kann Ihnen versichern, dass wir diese Beschränkungen stetig prüfen werden. Wir werden in drei Wochen noch einmal eine Einschätzung vornehmen und die Vorschriften lockern, wenn die Situation es erlaubt.

Aber momentan gibt es schlicht keine einfachen Lösungen. Der Weg, der vor uns liegt, ist steinig, und es ist noch immer eine traurige Gewissheit, dass wir viele Menschenleben verlieren werden.

Es ist aber auch eine Gewissheit, dass es einen klaren Weg nach vorn gibt.

Tag für Tag stärken wir unseren großartigen NHS mit 7500 ehemaligen Ärzten und Pflegekräften, die nun in den Dienst zurückkehren.

In der Zeit, die Sie für uns gewinnen – einfach nur dadurch, dass Sie zuhause bleiben – können wir unsere Ausstattung aufstocken.

Wir beschleunigen die Suche nach Therapiemöglichkeiten.

Wir bereiten den Weg für einen Impfstoff.

Und wir kaufen Millionen von Testkits, damit wir die Oberhand über diesen unsichtbaren Killer gewinnen können.

Ich möchte allen danken, die mit aller Kraft daran arbeiten, das Virus zu besiegen.

Alle, von den Angestellten im Supermarkt über die, die im Verkehrswesen arbeiten, bis zu den Pflegekräften und Ärzten an vorderster Front.

Aber in diesem Kampf kann es kein Zweifel daran geben, dass jeder Einzelne von uns direkt beteiligt ist.

Jeder Einzelne ist nun aufgefordert mitzuwirken.

Um die Verbreitung des Virus aufzuhalten.

Um unseren NHS zu schützen und viele, viele tausend Leben zu retten.

Und ich weiß das, denn das hat er in der Vergangenheit so oft geschafft.

Die Menschen in unserem Land werden sich der Herausforderung stellen.

Und wir werden stärker als je zuvor daraus hervorgehen.

Wir werden das Coronavirus besiegen und wir werden es gemeinsam besiegen.

Und deshalb fordere ich Sie jetzt, zum Zeitpunkt des nationalen Notstands, dringend dazu auf, zuhause zu bleiben, unseren NHS zu entlasten und Leben zu retten.

Vielen Dank.

Published 23 March 2020