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Britischer Botschafter spricht in Berlin über Shakespeare

Grußwort von Botschafter Sir Simon McDonald auf der Frühjahrstagung der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft, 23. April 2015 in Berlin

This was published under the 2010 to 2015 Conservative and Liberal Democrat coalition government

Bildnachweis: © Bernd Wannenmacher
Bildnachweis: © Bernd Wannenmacher

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Frau Professorin Olk,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

vielen Dank für die Gelegenheit, mit Ihnen Shakespeare zu feiern. Es gibt natürlich keinen besseren Zeitpunkt über Shakespeare zu sprechen als die Tage zwischen dem 23. und 26. April: heute feiern wir traditionellerweise seinen Geburtstag und begehen seinen Todestag, am Sonntag erinnern wir an den 451. Jahrestag seiner Taufe. Wir feiern heute auch St George’s Day, den englischen Nationalfeiertag.

Ich muss mit einem Geständnis beginnen: als Schüler hat mir Shakespeare keinen Spaß gemacht. Im Klassenzimmer erschienen mir seine Stücke belehrend, der Plot vorhersehbar, übermäßig auf Travestie fokussiert und lang. In einem Wort – ich fand sie langweilig. Aber Teil des Erwachsenwerdens ist es, sich einzugestehen, dass man falsch liegt, wenn man falsch liegt und mein jugendliches Urteil lag natürlich völlig daneben. Nicht wenige junge Leute teilen es aber immer noch und das veranlasst unsere Pädagogen hoffentlich, sich zu überlegen, wie man Shakespeare attraktiv vermittelt.

Shakespeare hat mehr neue Wörter als jeder andere zur englischen Sprache beigetragen. Jeder begabte Redner in englischer Sprache ist ihm deshalb zu Dank verpflichtet. Shakespeare verstand die Herzen von Männern und Frauen besser als jede andere Person in jeder anderen Sprache. Ich weiss, dass das eine gewagte Behauptung ist, aber ich will als britischer Botschafter schließlich Werbung für Shakespeare machen. Das Ziel muss sein, die nächste Generation an Shakespeare heranzuführen statt sie abzuschrecken. Das waren meine persönlichen Bemerkungen, die Sie mir hoffentlich nachsehen.

Ich freue mich, wie engagiert, professionell und vielfältig wie Sie in der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft Shakespeare leben und vermitteln. Sie alle kennen die besondere Geschichte der Shakespeare-Rezeption in Deutschland, die Leo Tolstoi dazu veranlasst hat, zu behaupten, dass Shakespeare eine Erfindung der Deutschen sei. Es war die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft - und keine britische Vereinigung - die 1864 als erste Gesellschaft dieser Art gegründet wurde. In meinen ersten Jahren in Deutschland war ich tatsächlich ein wenig überrascht zu sehen, wie begeistert Shakespeare hier gefeiert und erforscht wird.

Die Geschichte von Shakespeare in Deutschland ist deshalb immer auch eine Geschichte der deutsch-britischen Beziehungen. Sie handelt von gegenseitiger Bewunderung und echter Freundschaft genauso wie von nationaler Vereinnahmung und Instrumentalisierung. Heute zeigt sich in Shakespeare die ganze Vielfalt und Lebendigkeit der deutsch-britischen Partnerschaft. Von den vielen Begegnungen auf den Shakespearen-Tagen, den zahllosen Theaterinszenierungen in beiden Ländern über gemeinsame Forschungsprojekte bis zum Kulturtourismus zum Globe Theatre in London und nach Stratford-upon-Avon – wo Deutsche mit die größte Besuchergruppe stellen.

Wir sind hoffentlich darüber hinweg, Shakespeare für eine bestimmte Weltanschauung vereinnahmen zu müssen. Er ist ein globales Phänomen, das wir gemeinsam entdecken. Im Rahmen des London 2012-Festivals wurden seine 37 Dramen in 37 Sprachen aufgeführt, zum Beispiel Hamlet auf weißrussisch und Heinrich VI. als Balkan-Trilogie. Das zeigt, dass Shakespeare ein lebender Künstler ist, der für alle Menschen und Staaten spricht. Das große Shakespeare-Programm, das der British Council 2015 und 2016 weltweit veranstaltet, steht deshalb unter dem Motto „Shakespeare lives!“. In Berlin startet der British Council das Programm schon im Juni: die experimentelle britische Künstlergruppe „Forced Entertainment“ wird auf dem „Foreign Affairs“ Festival im Berliner Festspielhaus an 9 Tagen eine sicher eindrückliche Interpretation all seiner Dramen bieten.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin von Ihrem vielfältigen Programm der nächsten Tage begeistert und wünsche allen Teilnehmern und Mitwirkenden spannende Diskussionen und Veranstaltungen.

Vielen Dank.

Published 24 April 2015