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Enge Partnerschaft in Sicherheits- und Verteidigungspolitik

This was published under the 2010 to 2015 Conservative and Liberal Democrat coalition government

Botschafter Simon McDonald betont enge bilaterale Beziehungen in Rede beim Celler Trialog am 22. Mai 2013

Simon McDonald, © SOD/Juri Reetz
Simon McDonald, © SOD/Juri Reetz

Meine Damen und Herren,

es ist ein Vergnügen, wieder einmal in Celle zu sein – einer Stadt, die in ganz besonderer Weise mit Großbritannien verbunden ist. Unsere gemeinsame Geschichte reicht mindestens bis zu Sophia Dorothea von Celle zurück. Sie war die Frau von König Georg I. von Großbritannien und Irland – und natürlich Hannover – und die Mutter von Georg II. Im nächsten Jahr begehen wir ja den dreihundertsten Jahrestag der Personalunion – und ich freue mich schon sehr darauf.

Auch in jüngster Vergangenheit hatten wir sehr intensive Beziehungen. Fast 7 Jahrzehnte waren britische Soldaten Teil des örtlichen Lebens in Celle. Unmittelbar nach dem Krieg waren in Deutschland rund 150.000 britische Soldaten stationiert – das sind mehr als die USA je in Afghanistan hatten. Danach ging unsere Präsenz bis 1989 allmählich zurück auf circa 70.000, darunter 15.000 Angehörige der Royal Air Force. Heute sind es noch 15.000, fast alle bei der britischen Armee, plus ihre Angehörigen. Und natürlich die hoch geschätzten Ortskräfte, die an unseren Standorten beschäftigt sind.

In den Nachkriegsjahren wurden viele partnerschaftliche Kontakte geknüpft. Gewiss, es gab auch Meinungsverschiedenheiten. Ich würde sogar sagen, harte Auseinandersetzungen. Während meiner Zeit bei der Britischen Botschaft in Bonn in den achtziger Jahren gab es zum Beispiel Kontroversen über Tiefflüge der RAF, und Schießübungen auf dem Truppenübungsplatz Bergen-Hohne. Unsere Partnerschaft hat das jedoch ausgehalten, wir konnten mit diesen Problemen umgehen und Lösungen finden, die für beide Seiten akzeptabel waren. Es ist bemerkenswert, dass heute, wo unsere Truppen abziehen, der Großteil der Bevölkerung dies ebenso bedauert wie wir.

Und selbst solche Unstimmigkeiten verlieren jede Bedeutung, wenn wir den Blick aufs große Ganze werfen. Nach dem Krieg leisteten die britischen Streitkräfte einen bescheidenen, aber dennoch hoffentlich spürbaren Beitrag zum Wiederaufschwung Deutschlands. Später haben wir der sowjetischen Bedrohung gemeinsam die Stirn geboten. Welche Rolle Baroness Thatcher dabei gespielt hat, wurde mir von Bundeskanzlerin Merkel in Erinnerung gerufen, als sie sich im April in das Kondolenzbuch eintrug, das wir in der Botschaft ausgelegt hatten. Heute starten britische Soldaten von Deutschland aus zu ihren Einsätzen in Afghanistan, wo sie zusammen mit der Bundeswehr für Stabilität sorgen.

Neben den geopolitischen Beziehungen gibt es auch die persönlichen. Jedes Jahr lassen sich rund 300 britische Soldaten dauerhaft in Deutschland nieder. Zahllose deutsch-britische Ehen sind geschlossen worden, und von den Kindern, die daraus hervorgegangen sind, ist David McAllister der berühmteste.

Diese persönlichen Verbindungen sollten wir hochhalten, gerade auch im Hinblick auf 2020, wenn die letzten britischen Truppen Deutschland verlassen werden. Wir werden natürlich weiter eng zusammenarbeiten, um die Folgen des Truppenabzugs für die Gemeinden zu lindern. Die Überführung der Infrastruktur von einer militärischen in eine zivile Nutzung ist zum Teil schon gelungen. So zum Beispiel ist der alte RAF-Stützpunkt Weeze inzwischen ein beliebter Regionalflughafen – bei Ryanair heißt er ‚Düsseldorf/Weeze‘, obwohl er 70 Kilometer von Düsseldorf entfernt ist. Wir hinterlassen frisch renovierte Kasernen, die optimal geeignet sind für Berufsstreitkräfte des 21. Jahrhunderts. Und unseren Ortskräften bieten wir großzügige Regelungen für bezahlten Urlaub, damit sie sich weiterbilden und berufliche Qualifikationen erwerben können, die ihnen den Wechsel auf den deutschen Arbeitsmarkt erleichtern.

Was die weitere Planung anbelangt, wird die britische Regierung auch künftig so offen und ehrlich sein wie möglich, damit die Konversion – in punkto Infrastruktur und zivile Beschäftigung der Ortskräfte – die besten Aussichten auf Erfolg hat.

Ich hoffe auch sehr, dass die Präsenz der britischen Streitkräfte in Deutschland ein bleibendes Erbe hinterlassen wird. Die britischen Streitkräfte sind sehr daran interessiert, auch weiter gemeinsame Ausbildungsprogramme auf allen Ebenen durchzuführen, wie zum Beispiel bei der erlebnisorientierten Ausbildung. Entscheidungen sind noch nicht gefallen, aber meine Botschaft wird sich in den kommenden Jahren sicher damit befassen, die Möglichkeiten für gemeinsame Ausbildungs- und andere Projekte auszuloten.

Soldaten der Queen's Dragoon Guards Battle Group verlassen deutschen Transporthubschrauber CH-53G [©: Corporal Wes Calder RLC, Crown copyright]
Soldaten der Queen's Dragoon Guards Battle Group verlassen bei Übung in Grafenwöhr den deutschen Transporthubschrauber CH-53G [©: Corporal Wes Calder RLC, Crown copyright

Fakt ist, jenseits aller Schlagzeilen, dass Großbritannien und Deutschland so gut zusammenarbeiten wie eh und je – bilateral, in der Europäischen Union, in der NATO, der G8 und anderen Foren. Letzten Monat war David Cameron zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern erstmals zu einem Arbeitswochenende auf Schloss Meseberg eingeladen, wo sie die großzügige Gastfreundschaft von Bundeskanzlerin Merkel und Professor Sauer genießen durften – wenn das kein Zeichen für positive Beziehungen ist!

Meine Damen und Herren,

mein letzter Besuch in Celle war im vergangenen Juli. Ich erinnere mich gut an die Parade der letzten britischen Truppen, die aus Celle abgezogen wurden – viele der heute Anwesenden waren ja auch dabei. Es war das Zweite Bataillon des Royal Regiment of Fusiliers, das wir nach Zypern verabschiedet haben. Für viele war es ein trauriger Tag. Aber auch ein schöner: sie hatten ihre Aufgabe in Deutschland erfüllt. Unsere Truppen haben Deutschland ehrenvoll und in Freundschaft verlassen. Auf dieser gemeinsamen Vergangenheit können wir aufbauen, wenn wir jetzt nach vorn schauen und gemeinsam unsere Zukunft gestalten.

Published 23 Mai 2013